Neuer Dampf - Suppenküche neu eröffnet, Unsere Kirche - Ruhr, 26.12.2010
Ingrid Piela
Hagen. Drangvolle Enge im Gastraum, beengte Verhältnisse in Küche und Vorratsraum – alles Schnee von gestern. In der neugestalteten und nach zweimonatiger Schließung jetzt neu eröffneten Supenküche dampft es wieder aus den Tellern. Gulaschsuppe und Apfelsinen zum Nachtisch sowie Kaffee und Stollen standen am Zweiten Advent auf dem Festtags-Speiseplan. Draußen Schneematsch, drinnen vorweihnachtliche Stimmung. Pfarrer Jens Haasen und das Team der Suppenküche hatten eingeladen und alle, die der üppige Schnee nicht hatte aufhalten können, feierten mit. Auch die regelmäßigen Essensgäste freuten sich, endlich wieder an gewohnter Stelle ihre Freunde zu treffen, neue Bekanntschaften zu schließen und natürlich auch auf die warme Mahlzeit.Erweiterte Eröffnung Suppenküche Gesang


Der Festtag hatte in der Johanniskirche am Markt mit einem Gottesdienst begonnen. Pfarrer Jens Haasen ging in seiner Predigt auch auf zwei Szenen aus „Michael Kohlhaas“ ein, die Schauspieler und Musiker der Lutz-Bühne vom Theater Hagen gespielt hatten. Der Pfarrer im Ruhestand engagiert sich auch im Vorstand des Verens Suppenküche Hagen. Er weiß, wovon er spricht: Von der Verhärtung des Herzens, die sagt: „Da kann man nichts machen“ und der Wut, die davon träumt, „es mit gleicher Münze heimzuzahlen“, von Schweigen und Mitgefühl. Und Pfarrer Haasen zieht Parallelen zwischen Kohlhaas und dem Leben von heute, erinnert an die Möglichkeit der Vergebung von Schuld und der Öffnung der Herzenstür gerade jetzt, in der Zeit des Advents.
Auch Oberbürgermeister Jörg Dehm hatte es sich nicht nehmen lassen, ein Grußwort zu sprechen. Er versprach, sich dafür stark zu machen, dass eine verbliebene Deckungslücke für Anschaffungen, u.a. für eine Brotschneidemaschine, von Sponsoren oder einer Stiftung übernommen werden. Auch Dr. Jürgen Schalk vom Lions-Club Hagen-Harkort sprach zu den Gästen. Der Club unterstützt seit vielen Jahren die Suppenküche, u.a. mit dem Erlös aus dem

Erweiterte Suppenküche Eröffnung
„Entenrennen“ auf der Volme und mit Handwerksleistungen direkt in den jeweiligen Bauabschnitt.
Die insgesamt 55 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins Suppenküche Hagen e.V. geben durchschnittlich 300 Essen pro Tag aus, und zwar vier Mal die Woche. Manfred (66) ist alleinstehend und freut sich, dass die Suppenküche jetzt wieder geöffnet hat. Der Hagener kommt der Gemeinschaft und der Atmosphäre wegen und natürlich auch zum Essen. Hat er ein Lieblingsessen? Die bescheidene Antwort lautet: „Ich bin nicht wählerisch.“ Helga (60.) ist nicht ganz so zufrieden mit dem Angebot. Sie kommt nur noch selten und nur ihres Freundes wegen. Sie kann sich ein Bus-Monatsticket leistet und reist lieber nach Witten oder
Wuppertal: „Da gibt es mehr. Die haben ein größeres Angebot“.
Im Hintergrund spielt und singt derweil das Musikduo Lisa Giegenrath und Kai Dannenberg „What a wonderful world“ und französische Songs von Edith Piaf sowie Weihnachtslieder. An der Wand bittet ein Schild: Alkohol, Drogen, Rauchen und Gewalt sind hier unerwünscht.“ Und die Kerzen am Weihnachtsbaum flackern. Etliche Unterstützer erhalten einen „Ehrenteller“ für ganz unterschiedliche Hilfestellungen rund um den Anbau.
Text © Ingrid Piela (ip)

Gastfreundschaft ist unsere Aufgabe